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Galeria: Schließen ist keine Strategie

Nach viertem Insolvenzantrag: Eitner fordert finanzierten Zukunftsplan, tragfähige Mieten und verbindliche Beschäftigungsperspektiven Quelle: FREIE WÄHLER Mülheim an der Ruhr

Mülheim an der Ruhr - Nach Galerias viertem Insolvenzantrag seit 2020 fordert Maximilian Eitner, stellvertretender Landesvorsitzender der FREIEN WÄHLER NRW, Immobilienexperte und Bundespressesprecher der JUNGEN FREIEN WÄHLER (JFW), einen grundlegenden Kurswechsel: Geschäftsführung und Eigentümer müssen einen unabhängig geprüften, finanzierten Zukunftsplan vorlegen, statt erneut vor allem auf Filialschließungen, Flächenreduzierung und Personalabbau zu setzen.

„Vier Insolvenzen sind kein Geschäftsmodell. Die Beschäftigten haben oft genug für Fehlentscheidungen der Führung bezahlt. Jetzt müssen Geschäftsführung und Eigentümer erklären, wie Galeria endlich wieder dauerhaft tragfähig werden soll“, erklärt Eitner.

Bei der Fusionsfreigabe 2018 zählte das Bundeskartellamt in Deutschland 79 Karstadt- und 98 Kaufhof-Warenhäuser. Von diesen 177 Standorten sind heute 83 Galeria-Häuser übrig - rund 53 Prozent weniger. Noch im Oktober 2025 wurde ein positives operatives Ergebnis verkündet, im Juni 2026 folgte eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro. Wenige Monate später steht Galeria erneut vor einem Insolvenzverfahren.

„Wer immer neue Neustarts verkündet, muss sich an der Haltbarkeit seiner Versprechen messen lassen. Ein neuer Kredit ersetzt keine Strategie, eine neue Schließungsliste keinen Sanierungsplan“, so Eitner.

Auch die Fusion ist rückblickend kritisch zu bewerten: Karstadt schrieb zuvor nach jahrelanger Krise wieder schwarze Zahlen. Das beweist nicht, dass Karstadt allein dauerhaft erfolgreich geblieben wäre, zeigt aber: Der Zusammenschluss war nicht alternativlos. Er schuf Größe, offenkundig jedoch keine dauerhafte wirtschaftliche Stabilität.

Zentral ist zudem die Immobilienfrage. Schon lange vor der Fusion wurden erhebliche Teile des früheren Karstadt-Immobilienvermögens verkauft und zurückgemietet. Das brachte kurzfristig Milliarden, schuf aber langfristig erhebliche Mietverpflichtungen. Deshalb müssen bei der jetzigen Sanierung sämtliche Standortmieten, Vertragsbindungen und Eigentümerstrukturen offengelegt werden. Kein Warenhaus kann dauerhaft bestehen, wenn untragbare Kosten seine operative Leistung aufzehren.

Der Onlinehandel allein erklärt den Niedergang allerdings nicht. Laut Statistischem Bundesamt sank der reale Umsatz deutscher Waren- und Kaufhäuser zwischen 2003 und 2023 um 34,8 Prozent, während der stationäre Einzelhandel insgesamt real um 11,3 Prozent zulegte. Das Problem ist nicht der stationäre Handel an sich: Das klassische Warenhaus hat vielmehr an Profil und Relevanz verloren.

Statt zum überdimensionierten Modegeschäft mit immer weniger Sortiment und Besuchsgründen zu schrumpfen, muss Galeria an die historische Stärke großer Warenhäuser anknüpfen: unterschiedliche Bedürfnisse unter einem Dach zu verbinden - mit Mode, Lebensmitteln, Haushaltswaren, Sport und Freizeit, Dienstleistungen und Gastronomie.

Dass dieser Ansatz weiterhin funktionieren kann, zeigt El Corte Inglés. Die traditionsreiche spanische Warenhausgruppe mit großen Häusern vor allem in Spanien und Portugal ist Galeria konzeptionell deutlich näher als ein klassisches Einkaufszentrum. Ihre Häuser verbinden auf großen Flächen Mode, Beauty, Lebensmittel und Haushaltswaren mit Gastronomie und Dienstleistungen. Sie sind damit nicht bloß Verkaufsflächen, sondern Orte vielfältiger Einkaufs- und Besuchsanlässe. Im Geschäftsjahr 2025/26 meldete die Gruppe im Einzelhandel ein EBITDA von 961 Millionen Euro. Das Warenhauskonzept ist also nicht zwangsläufig überholt. Entscheidend ist, wie Unternehmen ihre Flächen nutzen und ob sie Kunden genügend Besuchsgründe bieten.

„Das Warenhaus der Zukunft muss Menschen wieder Gründe geben, zwei oder drei Stunden dort verbringen zu wollen. Wer nur Fläche und Sortiment reduziert und anschließend weniger Kunden zählt, saniert kein Unternehmen - er schrumpft es in die Bedeutungslosigkeit“, erklärt Eitner.

Eitner fordert deshalb einen mindestens dreijährigen, finanziell unterlegten Standort- und Investitionsplan für Galeria. Dazu gehören eine unabhängige Prüfung der Mietverträge, eine belastbare Finanzierung des Warenbestands, Investitionen in attraktive, standortgerechte Sortimente, eine engere Verbindung von Handel, Gastronomie, Lebensmitteln und Dienstleistungen sowie verbindliche, überprüfbare Beschäftigungsperspektiven.

Für jeden Standort müssen Investitionsbedarf, wirtschaftlich tragfähige Mietbelastung und ein vor Ort funktionierendes Sortiment transparent dargestellt werden. Schließungen dürfen erst erwogen werden, wenn Alternativen wie Mietanpassungen, Investitionen, neue Sortimentskonzepte oder tragfähige Partnerschaften nachvollziehbar geprüft wurden.

Betriebsräte und Arbeitnehmervertretungen müssen frühzeitig einbezogen werden. Beschäftigungszusagen müssen konkret, überprüfbar und finanziell hinterlegt sein.

„Ein Warenhaus muss wieder mehr Gründe liefern, hineinzugehen - nicht immer neue, es zu schließen. Die Menschen brauchen kein fünftes Sanierungsversprechen, sondern ein Management, das Verantwortung für Sortiment, Investitionen, Immobilienkosten und Beschäftigung übernimmt. Die nächste Sanierung muss Zukunft organisieren, statt den nächsten Rückzug zu verwalten“, so Eitner.